Die Wahrheit über den Achtsamkeits-Trend

Selbstbewusstsein | 31. August 2025

Das Thema Achtsamkeit steht seit Jahren hoch im Kurs. Achtsamkeitstagebücher, Meditations-Apps und Co. sollen alle möglichen Probleme der modernen Welt lösen. Dass der Achtsamkeitstrend aber auch seine Tücken und ungesehenen Seiten hat, wird selten betrachtet. In diesem Blogartikel erfährst du, was hinter dem Trend steckt. Ich schreibe darüber, weshalb das typische Achtsamkeitstraining nichts für jede:n ist, und welche kreative und bewegte Methode ich nutze.

Was steckt hinter dem Achtsamkeits-Trend?

Achtsamkeit ist ein langanhaltender Trend in unserer schnelllebigen Welt. Es heißt an allen Ecken und Enden, du brauchst eine Morgenroutine, eine Abendroutine, sollst meditieren, Yoga machen und atmen. An kaum einem geht der Achtsamkeitstrend unbemerkt vorbei. Egal ob in den sozialen Medien, als ärztlicher Rat, überall ist er sichtbar. Mit verschiedenen Achtsamkeitspraktiken sollst du den gegenwärtigen Moment wertfrei und bewusst wahrnehmen. Er verspricht mehr Ruhe, mehr Gelassenheit, Stabilität, psychische und physische Gesundheit. - Einfach ein Allheilmittel, wenn du es nur richtig anstellst.

Auch Düfte sind Teil des Achtsamkeitstrends. Und ich liebe sie!

Was wird bei Achtsamkeit versprochen?

Der Achtsamkeits-Trend verspricht eine Menge. Scheinbar in jedem Lebensbereich unserer modernen Welt kann Achtsamkeitstraining wie ein Zaubermittel für alles weiterhelfen. Bestimmt hast du auch schon das ein oder andere Versprechen auf Social Media, im Netz, in der Apotheke oder anderswo gesehen. MBSR-Kurse, Retreats und Achtsamkeitsmeditationen werben mit:

  • "Stärke mit Achtsamkeit deine Belastbarkeit als Mama"
  • "Krieg mit Achtsamkeit deine ADHS-Symptome in den Griff"
  • "Achtsamkeit - dein tägliches Tool für mehr Gelassenheit"
  • "Achtsamkeit statt Angst und Panik"
  • "Achtsamkeitsübungen gegen den Stress"
  • "Reguliere deine Emotionen mit Achtsamkeit"
  • "Mit Achtsamkeit gegen die Depression"

Ein bekanntes Buch von Jon Kabat-Zin, der die Achtsamkeitspraxis sehr bekannt gemacht hat, und Begründer des MBSR-Programms ist.

Und es stimmt - Achtsamkeitstraining hat nachweislich einen positiven Effekt auf unsere ganzheitliche Gesundheit, auf unser Selbstbewusstsein und unsere mentale Stärke. Aber stille Meditation, Journaling und Atemübungen sind nicht das Allheilmittel, als welches sie so häufig verstanden werden.

Die Wahrheit: Was dir keiner über Achtsamkeitstraining sagt

Achtsamkeit wird oft als stille Praktik verkauft. Was dir keiner über Achtsamkeit sagt, ist: es gibt sehr viele verschiedene Formen, und du darfst diejenige für dich finden, die zu dir passt. Ich habe lange Zeit versucht, an Standard-Achtsamkeitstechniken dran zu bleiben. Ich wollte fokussierter werden, meinen Chaoskopf hinter mir lassen, und mehr bei mir als bei anderen sein. Ich habe versucht regelmäßig zu meditieren und sogar mit Atemübungen habe ich es versucht. Denn laut verschiedener Dozent:innen und Physiotherapeut:innen atmete ich zu flach. Aber ganz ehrlich: ich hab fast die Krise dabei gekriegt. 

Es gibt zahlreiche Bücher zum Thema Meditation. Dieses hier, von Giovannie Dienstmann, kann ich empfehlen, denn es verschafft einen sehr guten Überblick über verschiedene Meditationsformen und enthält eine Vielzahl an Mediationen.

Mein Problem mit dem Achtsamkeitstraining war: ich war einfach viel zu unruhig dafür. Ruhig sitzen bleiben und dafür eine regelmäßige Routine entwickeln? - Sorry, I am out. Was ich aber beobachtet hatte war, dass ich meine ganz eigene Achtsamkeitsstrategie entwickelt hatte: Ich machte Zirkus! Ich machte Tanzakrobatik, balancierte auf der Laufkugel, jonglierte und so weiter. Dabei kam ich raus aus meinem Kopf, in meinen Körper und konnte mich auf mich fokussieren. So frei und lebendig habe ich mich sonst als Kind beim Spielen gefühlt. - Mein Achtsamkeitstraining war bewegt und kreativ! Und: das darf auch so bleiben! Denn der Effekt der Präsenz und Gegenwärtigkeit war einer der Hauptgründe, weshalb ich Zirkuspädagogin geworden bin.

Ich wollte tiefer in das Thema eintauchen, um herauszufinden, wie Achtsamkeit im Zirkustraining funktioniert. Um es in der Tiefe zu verstehen, habe ich in meiner Elternzeit eine Weiterbildung zur Achtsamkeitstrainerin und -coach gemacht. Dabei habe ich gelernt: es gibt sehr viele verschiedene Formen der Achtsamkeit. Was bei mir selbst super funktioniert ist Achtsamkeit über die Sinne, und (wen wundert's) über Bewegung. Und da sist völlig in Ordnung so. Und im Übrigen fielen mir in dieser Kombination und im Laufe der Zeit auch das Meditieren im Sitzen leichter.

Mein eigener Weg für mehr Achtsamkeit im Leben ist der Zirkus. Mit Hula Hoop Dance, Tanzakrobatik, oder Balance-Disziplinen komme ich ins bewusste und achtsame Bewegen und Kreieren.

Wo Achtsamkeit an ihre Grenzen stößt

  1. Gerade das stille Achtsamkeitstraining, wie Meditationen im Sitzen, ist nicht für alle Menschen geeignet. Manche Menschen mit Traumaerfahrungen zum Beispiel, werden durch Achtsamkeitsübungen, in denen sie still und regungslos bleiben müssen, getriggert. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depressionen oder bei Psychosen wird empfohlen, mit einer psychologischen oder psychotherapeutischen Betreuung mit Achtsamkeitstraining zu beginnen.
  2. Für neurodivergente Menschen ist es einfach schwer auszuhalten still sitzen bleiben zu müssen. Sie müssen ständig ihre Position wechseln. Für manche von ihnen erzeugt der Druck still zu sitzen beinahe psychische Schmerzen. Sie denken sie müssten nur endlich mal still sitzen bleiben und ihre körperliche und mentale Unruhe auf die Reihe kriegen. Dabei quälen sie sich einen ab und sind danach nicht nur frustriert, sondern alles andere als gelassen oder gestärkt.
  3. Nach und nach werden Berichte laut, dass einige Menschen, negative und teilweise destabilisierende Erfahrungen machen. - Also genau das Gegenteil erleben, was Achstamkeitscoaches und -trainer:innen versprechen.
  4. Das Achtsamkeitstraining stößt auch an seine Grenzen, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Bei Depressionen, Angststörungen und Traumata, kann es keine Therapie ersetzen. Es kann aber therapiebegleitend unterstützen. 

Der Achtsamkeitstrend als gefährliche Falle

Der Achtsamkeitstrend lockt dich in eine gefährliche Denkfalle. Er suggeriert dir, dass du in einer Welt die immer schneller, voller und komplexer wird, lediglich Achtsamkeit trainieren musst, um alles auf die Reihe zu bekommen. Sie ist die Lösung, in einer Welt zurecht zu kommen, die so verdreht ist, dass sie uns täglich von uns selbst entfernt. Dir wird eine Illusion zuteil: Nicht das System muss sich ändern, nein, DU sollst dich ändern. Es liegt alles nur an dir. - Versteh mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Selbstwirksamkeit und Selbstverantwortung. Aber an den Stellen, wo unser System hinkt, übt das einfach nur einen enormen Druck aus, und wird dir garantiert nicht zur versprochenen Entspannung und Stressreduktion verhelfen.

Der Trend zur Achtsamkeit erhält strukturelle Probleme aufrecht. Er verändert nicht die 40-Stunden-Woche, Genderungerechtigkeiten, Gentrifizierung, Mental Load, globale Unsicherheiten, das Bildungssystem, Klimaveränderungen oder sichert die Zukunft für Folgegenerationen. Er hilft diese Dinge auszuhalten und damit umzugehen. Aber er richtet den Fokus auf die Einzelpersonen, statt die größere Ebenen anzuschauen. Er verschiebt die Verantwortung auf einzelne Menschen, aber löst nicht die eigentlichen Probleme.

Achtsamkeit ist Teil eines weiteren Trends geworden: dem Selbstoptimierungstrend. Wir alle sollten effizienter, leistungsstärker, schöner, glücklicher werden - und bitte schnell. Deshalb schnell noch ein Achtsamkeitstraining reinquetschen, und dann wieder weiterhetzen, damit alles unter einen Hut passt. Mit diesem Druck im Nacken, wird sich keiner der erwünschten Wirkungen von Achtsamkeitsübungen einstellen. 

Vor meinem Zirkustraining, mit dem ich auf kreative und bewegte Weise meine Achtsamkeit stärke, mache ich gerne einen meditativen Check-In in meinen Körper.

Was die wenigsten über Achtsamkeit wissen

Was viel zu wenig bekannt ist: Achstamkeit muss nicht immer still sein. Auch Bewegung, Spiel und Kreativität fördern deine Achtsamkeit. Sie bringen dich in einen gegenwärtigen, fokussierten Zustand. Und viel mehr noch, für viele Menschen, kann bewegte und kreative Achtsamkeit wohltuender sein, als stilles Achtsamkeitstraining. Darüber hinaus haben kreative Bewegung und Spiel, den Nebeneffekt, dass sie Spaß machen. Das ist die bester Voraussetzung, um am Achtsamkeitstraining dran zu bleiben. 

Was vielen Menschen verborgen bleibt, sind die negativen Auswirkung von Achtsamkeitsübungen. Jede zehnte Person hat schon mal negative Erfahrungen gemacht. Menschen berichten von traumatischen Flashbacks, Ängsten und Hypersensibilität. Das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg, bietet sogar eine Beratung für Menschen mit Meditationsnebenwirkungen und forscht dazu.

Der Achtsamkeits-Trend aus meiner Sicht: Finde deinen eigenen Weg

Die Vorteile des Achtsamkeits-Trends ist, dass das Thema Achtsamkeit grundsetzlich in den Fokus gerückt wird. Jedoch muss er, wie jeder andere Trend, differenziert betrachtet werden. Achstamkeit darf nicht als Lösung für alles herhalten. Strukturelle, gesellschaftliche Probleme müssen erkannt und aktiv verändert werden. Außerdem sollte jede:r eine eigene Achtsamkeitsform und Praxis verwenden, statt sich daran abzuquälen "richtig" zu meditieren, nur weil das eine der gängigsten Formen sind. Hier ist Mut zum eigenen Weg gefragt. Von Achtsamkeitstrainer:innen und -coaches, die dir von "dem einen wahren Weg" erzählen, solltest du Abstand halten.

Das sind deine nächsten Schritte für mehr Achtsamkeit

Wenn du auf bewusste Weise mehr Achtsamkeit in dein Leben bringen möchtest, sind das deine nächsten beiden Schritte:

  1. Reflektiere einmal für dich: Warum möchtest du achtsamer werden? Und was genau soll sich für dich verändern? Das nimmt den Druck raus und du bekommst einen realistischen Blick dafür, was du mit achtsamkeitsbasiertem training erreichen kannst.
  2. Probier verschiedene Achtsamkeitspraktiken aus: Finde heraus, was dir am besten gefällt. Wenn du vom Typ "Ich kann und will nicht still sitzen" bist, probiere es einmal mit kreativer und bewegter Achtsamkeit aus, so wie meine Zirkusangebote für Erwachsene.

Achtsamkeitstraining funktioniert nur, wenn du dich nicht davon stressen lässt

Der Trend zu mehr Achtsamkeit im Alltag hat definitiv seine Berechtigung. Allerdings funktioniert der Trend nur, wenn du dich nicht von seiner Trendigkeit stressen lässt. Wenn Achtsamkeit zu deinem nächsten To Do und einer stressigen Pflichtveranstaltung wird, verschwendest du deine kostbare Lebenszeit und deine Nerven. Dein Achtsamkeitstraining muss dir Spaß machen, statt dich zusätzlich zu stressen. Finde deine Motivation und deine eigene Form des Achtsamkeitstrainings, und mache dir bewusst, dass bei allen Vorteilen die es mit sich bringen kann, die strukturellen Probleme, die dich wahrscheinlich zum Achtsamkeitstraining veranlassen, auf einem anderen Blatt geschrieben stehen. 

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  1. Liebe Tereza,

    danke dir für diesen klaren und erfrischenden Blick auf den Achtsamkeits-Trend. Ich stimme dir voll und ganz zu: Achtsamkeit ist kein Einheitsmodell, und „stille“ Praktiken passen nicht für jede:n. Dein Ansatz, die Achtsamkeit kreativ und bewegend zu leben – statt sich nur mit Meditation im Sitzen zu quälen – spricht mir aus der Seele. Bewegung, Spiel und Sinneserleben können ebenso Präsenz und Gelassenheit schenken – und oft mit deutlich mehr Leichtigkeit. Genau darauf kommt es an: herauszufinden, was einem persönlich wirklich guttut. Danke für diesen bestärkenden Impuls!

    Liebe Grüße
    Anette

    1. Liebe Anette,

      danke dir für deinen Kommentar! Ja, ich denke auch, wir dürfen da alle mehr hinschauen, was uns selbst wirklich entspricht und uns das auch zugestehen. Dazu gehört auch, dass wir Neues ausprobieren und unseren eigenen Weg finden. Ja genau, das finde ich auch: gerade Bewegung, Spiel und Erleben das die Sinne anregt, bringt uns in Leichtigkeit mehr Gelassenheit und gegenwärtigkeit.
      So schön, dass du ähnlich auf das Thema blickst!

      Liebe Grüße
      Tereza

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